Brauche Hilfe, suche Notrufknopf

Ambulance

Zurzeit stehe ich vor einem ziemlich großen Fragezeichen. Bei meinen bisherigen epileptischen Anfällen hatte ich das Glück, dass immer jemand im selben Raum war. Aber was mache ich, wenn mal niemand da ist, um den Notruf zu wählen? Ich wohne allein. Wenn es ganz blöd läuft, kippe ich um, schlage mir den Kopf auf und dann ist niemand da, um mir zu helfen. Und ob ich nach dem Aufwachen noch selbst in der Lage bin, Hilfe zu rufen, bezweifle ich.

Schon dieses Mal war es verdammt knapp: Ich bin mit meinem Kopf auf einer gepolsterten Sitztruhe aufgekommen und nicht auf dem harten Steinboden. Dann wäre das Ganze eventuell eine sehr blutige Angelegenheit geworden. Eine Gehirnerschütterung gab es trotzdem gratis dazu.

Es gibt inzwischen einige technische Hilfsmittel für solche Fälle. Zum Beispiel den Hausnotruf, verschiedene Notfall-Apps für Smartphones oder – speziell für Epileptiker – ein Überwachungssystem. Allerdings ist wohl keines davon für mich geeignet. Ich merke es nicht, wenn sich ein Anfall anbahnt, kann dann also keinen Knopf betätigen oder jemanden anrufen. Die Apps setzen voraus, dass ich und meine Notfallperson immer unser Smartphone mit uns herumtragen. Und für das Überwachungssystem müsste ich dauerhaft ein Armband mit Sensor tragen, das begeistert mich auch nicht gerade. Mal abgesehen davon, dass ich es bestimmt irgendwo vergessen oder gleich schrotten würde. Ich habe ja ein Talent für Unfälle. 😉

Schön blöd für mich. Unvorhersehbare Anfälle und keine Lösung. Probleme, die ich vor meiner Diagnose definitiv nicht hatte. 🙁

Fast, aber eben nicht ganz

Medications

Beinahe hätte ich zwei Jahre geschafft, bin dann aber doch etwa eine Woche am Datum vorbeigeschrammt: Am Mittwoch hatte ich meinen zweiten epileptischen Anfall. Tja, scheiße gelaufen. Glücklicherweise war eine Freundin da, die gleich den Notruf gewählt hat. Als der Rettungsdienst ankam, bin ich aber schon wieder aufgewacht und mit den Worten „Sorry, muss kotzen“ an ihnen vorbei ins Badezimmer gerannt. Das war definitiv nicht mein bester Auftritt 😀

Meine Freundin hat zwar nicht gesehen, wie ich umgekippt bin, aber das Krachen war wohl unüberhörbar. Leider habe ich mir beim Fallen ziemlich den Kopf gestoßen – aber er ist noch ganz. 😉 Und meine komplette linke Schulter ist blau-lila gescheckt. Heute hat man mich deswegen in der Stadt schon so komisch angestarrt. Fotos erspare ich euch also lieber.

Zum Glück musste ich nicht mehr mit ins Krankenhaus, da es ja „schon“ mein zweiter Anfall war. Nach ein paar Untersuchungen ist der Rettungsdienst dann wieder gefahren – ohne mich.

Heute war ich bei meinem Neurologen und wurde als Notfall eingeschoben. Eigentlich wäre mein nächster Termin nämlich erst Ende September gewesen. Nach längerer Überlegung, ob die Dosis meines Antiepileptikums erhöht werden soll, habe ich nun ein Notfallmedikament bekommen, das ich bei Bedarf nehmen soll. Bei dem Auslöser meiner Anfälle sind wir (mein Doc und ich) uns noch nicht ganz sicher, tippen aber auf den monatlichen Abfall meiner Östrogenwerte. Der Rückgang der Hormone kann das Gehirn nämlich sensibel für solche Anfälle machen.

Das nächste Epilepsie-Abenteuer wäre also überstanden. Auf ein neues kann ich aber problemlos verzichten. 😉

Von Abschlüssen und Anfängen

Lesender Kaktus

Mein Dia hatte es mit meinem Studium noch nie leicht. Von jetzt auf gleich habe ich vor etwas mehr als 3 Jahren beschlossen, in Darmstadt Online-Journalismus zu studieren. Nachdem ich es irgendwie (wahrscheinlich durch ein Wunder) geschafft habe, einen Platz in dem ziemlich kleinen Studiengang zu bekommen (pro Jahr dürfen dort nur etwa 50 Leute studieren), musste ich so schnell wie möglich eine Wohnmöglichkeit finden und quasi in einer Nacht-und-Nebel-Aktion umziehen. Ehe ich das Wort „Hochschule“ überhaupt nur buchstabieren konnte, saß ich also in einer fremden WG in einer fremden Stadt in einem fremden Bundesland.

Während meiner Studienzeit hatte ich oft fast immer anderes im Kopf als meinen Diabetes. Dass ich regelmäßig den Blutzucker-Jackpot mit 300 mg/dl aufwärts geknackt habe, war mir egal. Nicht einmal mein (wirklich toller) Diabetologe konnte mich dazu bewegen, besser auf meine Gesundheit achtzugeben. Wichtiger war mir, mein Studium zu bestehen – egal, wie –, damit bisher nicht alles umsonst war. Denn so schrecklich ich meine Schulzeit fand, so toll fand ich mein Studium. Endlich durfte ich das lernen, was mich interessierte – Schreiben, Fotografieren, Filmen. Endlich keine Einzelkämpfe mehr mit Mathe und Physik.

Das Chaos – und ich mittendrin

Momentan schreibe ich meine Bachelor-Arbeit. Quasi die letzte große Hürde vor meinem Abschluss, bevor ich mich offiziell als Online-Journalistin bezeichnen darf.

Wer nun ein Wunder in Form eines Blutzucker-Happy-Ends erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Denn gerade jetzt, kurz vor Ende meines Studiums, ist es bei mir noch schlimmer als sonst. Momentan sieht mein Blutzucker-Tagebuch genauso chaotisch aus wie mein WG-Zimmer, denn ich werde bald umziehen. Ich hatte das Glück, noch vor meinem Studienabschluss einen gut bezahlten Job in München zu finden. Nur eben über 400 km entfernt von meinem derzeitigen Wohnort. Also muss ich jetzt Koffer, Kisten und Kartons packen und mit allem drum und dran den Wohnort wechseln. Nur die Wohnung dafür muss ich erst mal finden. Und das ist gar nicht so einfach, wenn man nicht mal eben zu einer Besichtigung fahren kann. Ganz zu schweigen davon, dass mir für das teure Münchner Pflaster eigentlich das Geld fehlt. Aber eine WG kommt für mich nicht in Frage, denn das hatte ich schon die letzten 8 Jahre. Und irgendwann reicht es mir damit auch, denn Wohngemeinschaften können schon ziemlich stressig sein. Und Stress ist ja nie gut – schon gar nicht für den Blutzucker.

An der Pumpe liegt es nicht

Denn bei Stress steigt mein Blutzucker gerne mal in unermessliche Höhen. Und das merke ich zurzeit besonders. Ich habe das Gefühl, ich spritze mein Insulin ins Nirwana – es scheint, als käme es nie in meinem Körper an. Und das liegt sicher nicht an meiner Insulinpumpe, denn die funktioniert tadellos. Das habe ich mehrfach getestet. Genauso wie ich den Pumpenkatheter, -schlauch und das Insulin schon mehrfach gewechselt habe. Daran kann es also nicht liegen.

Irgendwann habe ich es schließlich auch aufgegeben, eine neue Basalrate zu programmieren. Wie auch, wenn nicht mal die Basalratentests richtig funktionieren? Ich hoffe nun einfach darauf, dass es sich nach dem ganzen Stress wieder von selbst einpendelt.

Nachtrag: 6 Wochen später

Meinen Bachelor habe ich endlich und trotz katastrophaler Werte bestanden – sogar mit einer guten Note. Es ist zwar keine Eins, aber ich will nicht meckern. Das wäre schließlich Jammern auf sehr hohem Niveau. Ich habe meinen Bachelor. Ich habe mein Studium abgeschlossen. Meine gehasste Schulzeit hat sich gelohnt. Und darüber freue ich mich jetzt einfach.

Meine Werte sind inzwischen wieder handzahm, anscheinend hat sich die Basalrate wirklich wieder von selbst eingependelt. Eine gute Seele hat sich außerdem dazu bereit erklärt, mir ihre Münchner Wohnung zu vermieten. 49 Quadratmeter ganz für mich allein. Sieben Jahre Wohn- und Flurgemeinschaften haben nun auch endlich ein Ende und meinem Umzug steht nichts mehr im Weg. Ein Happy End kommt also doch nicht nur im Märchen vor.


Diesen Beitrag gibt es auch hier auf der Blood Sugar Lounge zu lesen. 🙂

Long time no see

Puh, alles ganz schön staubig hier. Ich muss dringend mal aufräumen und putzen. 😉

Ich weiß, ich habe den Blog in der letzten Zeit sehr vernachlässigt. Aber momentan bin ich ziemlich antriebslos. Mein Leben ist zurzeit sehr durcheinander und meine Zukunftspläne wurden mehr oder weniger über den Haufen geworfen, deshalb muss ich das Chaos erst mal ordnen und sehen, wie es weitergeht. Da muss der Blog einfach hinten anstehen. Ich habe ihn aber nicht vergessen und werde auch weiterbloggen – nur momentan habe ich dafür einfach nicht die Nerven. Ich hoffe, ihr bleibt mir als Leser trotzdem treu. 🙂

Tapetenwechsel

Holzwand

Einige von euch wissen es schon, alle anderen erfahren es jetzt: Ich habe meinen Bachelor-Abschluss  so gut wie in der Tasche,  ziehe nach München und starte ins Berufsleben. 🙂 Ich werde ab April als Redakteurin bei einem Verlag arbeiten! 😀

Nächste Woche findet dann der „große“ Umzug statt – mit ganz vielen Kisten, Kartons und einem Sprinter statt. An sich pendele ich aber schon seit Ende Februar zwischen meiner Studenten-WG und meiner neuen Wohnung hin und her.

Ich freue mich, endlich wieder in München zu sein. Es hat auch ein bisschen was von einer Heimkehr, nachdem ich ja schon einmal hier gewohnt habe. Hoffentlich bleibe ich diesmal länger als beim letzten Mal. 😉