Danke für 20 Jahre

Eigentlich hätte ich gerade genug andere Sachen zu tun, aber das heutige Datum kann ich nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen, denn: Mein Dia-Monster wird 20! Das ist quasi mein (Vor-)Weihnachtsgeschenk an mich selbst. 😉 20 gemeinsame Jahre – und bisher sogar ganz ohne Folgeerkrankungen! 🙂

Red present

„Wie – eine Krankheit als Geschenk?“, werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen. „Meint sie das ernst?“ Ja, das tue ich. 🙂 An sich ist Diabetes ganz sicher kein Geschenk. Ich muss mich täglich in den Finger stechen, kann (fast) nichts essen ohne zu rechnen, muss mich dann auch noch mit einer Nadel stechen … nein, das ist wirklich kein Spaß. Und Urlaub nehmen kann ich mir auch nicht mal eben so. Aber ich habe durch den Dia viel über mich selbst und meinen Körper gelernt, zum Beispiel, dass mich nichts so schnell umhaut. Nicht mal ein niedriger Blutzucker. 😉 Oder wenn doch, dass ich immer wieder aufstehe und weitermache.

Und nicht zu vergessen sind alle die tollen anderen Diabetiker, die ich sonst ja nie kennen gelernt hätte. Dafür bin ich dem Dia wirklich dankbar. 🙂

Fröhlichen Welt-Diabetes-Tag!

Ja, ihr habt richtig gelesen! 🙂 Und in diesem Jahr gibt es sogar ein Jubiläum – heute gibt es ihn schon zum 25. Mal. Den WDT gibt es seit 1991 – übrigens auch gleichzeitig mein Geburtsjahr. 😉

Logo Welt-Diabetes-Tag

Und warum ausgerechnet der 14. November? Vor unglaublichen 93 Jahren erhielt der Mediziner Frederick Banting den Nobelpreis für die Entdeckung des Insulins. Ihm zu Ehren fällt das Datum deshalb auf den 14. November, seinem Geburtstag. 🙂 Heute wäre der Gute übrigens 125 geworden. 😉

Suche Notrufknopf, finde Armband

Freunde haben mich nun doch dazu überredet, mich näher mit einem Notfall-Armband namens Epi-Care free+  zu beschäftigen (von dem ich schon in diesem Post berichtet habe). Es registriert epileptische Anfälle durch die krampfartigen Bewegungen und sendet ein Notrufsignal mit GPS-Daten an eine eingespeicherte Telefonnummer. Dadurch weiß der Besitzer, dass ich in diesem Moment krampfe und kann zum Beispiel den Notruf wählen und angeben, wo genau ich mich befinde.

Seit meinem zweiten Anfall habe ich oft Angst, wenn ich allein bin. Ich könnte ja jederzeit wieder einen Anfall bekommen und dann ist niemand da, um mir zu helfen. Nach dem ersten Mal konnte ich mir noch einreden, dass es bestimmt eine einmalige Sache gewesen wäre – nach dem zweiten Mal dann eben nicht mehr. Denn was passiert, wenn ich während einem allein in meiner Wohnung bin? Was ist, wenn ich mir beim Umkippen den Kopf stoße und nicht mehr aufwache? Findet man mich dann erst nach mehreren Tagen, wenn meine Freunde misstrauisch werden, weil ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe? Das ist mein persönliches Horrorszenario. 🙁

bracelet-749457

[Symbolbild]

Anfangs hatte ich große Bedenken, ständig ein Armband tragen zu müssen. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche … ihr seht schon. Aber dann fiel während einer Unterhaltung mit Freunden der Satz „Wenn es um die Gesundheit geht, muss man eben auch Dinge tun, die man nicht unbedingt will“. Das hat mich dann doch zum Umdenken bewogen. Denn schließlich schieße ich mir als Pumpenträger ja auch alle 3 Tage eine Nadel in den Bauch.

Aber man gewöhnt sich irgendwie doch an alles. Zuerst konnte ich mir nicht vorstellen, nun für immer mit meiner Insulinpumpe verbandelt zu sein. Deswegen habe ich mich auch 16 Jahre lang gegen eine Pumpe gesträubt. Doch schon nach wenigen Tagen des Probetragens stand für mich fest: Die gebe ich nie wieder her! Zu schön war das Gefühl, nicht mehr ständig spritzen zu müssen, sondern einfach ein paar Knöpfchen zu drücken. So gegensätzlich es klingt, aber durch die Pumpe habe ich ein ganzes Stück Freiheit wiedergewonnen. Vielleicht funktioniert es mit dem Armband ja genauso. 🙂

Und vielen lieben Dank an Lena und Kevin für den Tritt in den Hintern – ohne euch hätte ich mich vermutlich nicht umentschieden. 🙂

Launch des Countour Next One

Bei diesem Post handelt es sich um einen sogenannten „Sponsored Post“, für den ich mit einem Unternehmen kooperiert habe. Die Tatsache, dass es sich um Werbung handelt, hat keinen Einfluss auf meine eigene Meinung.


Im Rahmen des EASD 2016 (52nd Annual Meeting of the European Association for the Study of Diabetes) lud die Firma Ascensia Diabetes Care mehrere Blogger (unter anderem auch mich 😉 ) zu eine Presseveranstaltung ein. Auf dieser wurde uns das Blutzuckermesssystem Contour Next One sowie die dazugehörige Contour Diabetes App bereits vor dem offiziellen Launch in Deutschland präsentiert. Regulär auf dem deutschen Markt erhältlich ist das System erst seit dem 20. Oktober 2016.

Blutzuckermessung

© Ascensia Diabetes Care

Das Messgerät

Das Contour Next One hat optisch Ähnlichkeit mit seinen Vorgängern, allerdings besitzt das Gerät keinen USB-Anschluss mehr. Diese wurde aber durch eine Bluetooth-Schnittstelle ersetzt. Neu eingeführt wurde außerdem das Licht am Teststreifeneinschub. Dieses variiert je nach Wert: Grün bedeutet, dass die Werte im Zielbereich liegen, Gelb ist darüber, Rot darunter. Was mich etwas irritiert, denn eigentlich ist Gelb für mich eine Zwischenstufe auf dem Weg von Grün zu Rot (oder andersrum). Die Firma bezeichnet es als „smartLIGHT“, mit dessen Hilfe der Nutzer „sofort einordnen und entsprechend reagieren“ kann. Wie alle Messgeräte der Contour-Next-Reihe verwendet auch dieses die bisherigen Teststreifen. Die zum System gehörende Stechhilfe heißt Microlet Next und funktioniert mit den herkömmlichen Microlet-Lanzetten.

Messgerät Contour Next One

© Ascensia Diabetes Care

Für mich ein ganz, ganz fettes Minus: Das Next One kann nicht wiederaufgeladen werden! Das war einer der Punkte, die den Vorgänger für mich sehr attraktiv gemacht haben – endlich keine Batterien mehr! Schonender für meinen Geldbeutel und vor allem für die Umwelt! Nennt mich Öko-Fuzzi, wenn ihr wollt, aber ich finde es wirklich dämlich, dass Ascensia schon wieder ein neues Messgerät auf den Markt bringt – aber eine der (für mich) besten Funktionen fehlt! 🙁 Stattdessen wird das neue Contour (schon wieder) über zwei Knopfbatterien mit Strom versorgt, die etwa 1.000 Messungen lang halten (sollen).

Vor- und Nachteile:

+ optischer Hinweis auf die Werte durch das farbige Licht
+ schickes Design
+ bluetooth-fähig
+ keine neuen Messstreifen nötig

– nicht wiederaufladbar 🙁
– Werte werden nicht an Pumpe gesendet 🙁
– keine USB-Schnittstelle mehr
– benötigt (Knopf-)Batterien

Contour Next Plus und Contour App

© Ascensia Diabetes Care

Das Contour Next One kann direkt am PC ausgelesen werden. Dafür wird das Programm Glucofacts Deluxe und ein Kabel mit den Anschlüssen USB-A an Micro-USB-B benötigt, die beide nicht im Lieferumfang enthalten sind. Ausprobiert habe ich das noch nicht, deswegen kann ich auch leider nichts dazu sagen außer: Wäre der USB-Anschluss noch am Gerät, gäbe es dieses Problem gar nicht erst. 😉

 

Die App

Für die Entwicklung der App war wohl das Stichwort „mHealth“ausschlaggebend. mHealth ist eine Abkürzung für Mobile Health (= „mobile Gesundheit“). Die Weltgesundheitsorganisation zählt dazu tragbare Technologien wie zum Beispiel Apps für Smartphones und Tablets, die die Gesundheitsfürsorge unterstützen. Ein Bericht des IMS Institue for Healthcare Informatics aus dem Jahr 2015 gibt an, dass den Verbrauchern aktuell mehr als 165.000 mHealth-Apps zur Verfügung stehen. Eine davon ist nun auch die Countour App

Display Contour App

© Ascensia Diabetes Care

Sie funktioniert zusammen mit dem Blutzuckermessgerät, die via Bluetooth miteinander verbunden werden. Die gemessenen Werte werden auf das Smartphone (oder Tablet) gesendet und können auch um weitere Informationen wie Aktivitäten, Medikamente und Mahlzeiten (auch in Form von Fotos; siehe links) ergänzt werden. Eine interessante Erneuerung ist die Möglichkeit, sich bei hohen oder niedrigen Messwerten Warnungen anzeigen zu lassen. Es gibt außerdem die Möglichkeit, direkt eine gespeicherte Notrufnummer zu wählen, um Hilfe zu holen. Um Muster im Verlauf der Blutzuckerwerte zu erkennen, werden sie im Startbildschirm in Form von Trends und Durchschnittswerten dargestellt (auch hier: siehe Foto). Alle ermittelten Daten können zudem synchronisiert werden, sodass die Blutzuckerwerte auf verschiedenen Smartphones und Tablets gespeichert werden können. Werte können auch nachträglich ergänzt werden, wenn man Messgeräte von anderen Firmen verwendet. Die App kann also auch als Stand-Alone verwenden. Ob das sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. 😉

Erhältlich ist sie im jeweiligen Store sowohl für iOS (ab 8.0) als auch für Android (ab 5.0). Sie erinnert mich übrigens an mySugr, die vom Prinzip her sehr ähnlich, jedoch herstellerunabhängig ist.

Mein Fazit

Nachdem ich Messgerät und App nun mehrere Tage ausgiebig getestet habe, ist hier meine Meinung: Sehr gut gefällt mir die Möglichkeit, mich an BZ-Messungen erinnern zu lassen – weniger gut, dass ich nicht eingeben kann, was ich gespritzt habe. Zwar kann ich angeben, mein Insulin als Medikament genommen zu haben – jedoch ist das nur in halben Schritten möglich. Da Insulinpumpen aber wesentlich genauer dosieren können, ist das für die Pumpenträger unter uns natürlich Quatsch mit Soße. Und ein großes Manko ist für mich die fehlende Verbindung zur Pumpe, denn ich habe keine Lust, meinen Wert jedes Mal von Hand eingeben zu müssen, um den pumpeneigenen  BolusExpert verwenden zu können, der mir meine Insulindosis ausrechnet.

Insgesamt muss ich leider sagen, dass ich von dem neuen System doch recht enttäuscht bin. Als „Innovation“ würde ich weder Messgerät noch App bezeichnen, da beides ist noch sehr ausbaufähig ist. Zum Beispiel, indem das System auch mit der Pumpe kommuniziert. Solange es das nicht tut, ist das Ganze eine nette Spielerei – mehr aber auch nicht.

Ich hoffe, Ascensia nimmt sich die Kritik, die auch schon bei der Vorab-Präsentation laut wurde, zu Herzen und macht es beim nächsten Gerät besser.

Wie ich vom Sportmuffel zum Dauerläufer wurde

pummeluff-auf-wiese

„Jetzt ist es soweit – du hast endgültig den Verstand verloren“, denke ich mir, als ich meine Sneakers schnüre und den Hausschlüssel vom Haken nehme. „Ernsthaft? Du willst also wirklich joggen gehen? DU und JOGGEN!? Das ist ja wohl ein schlechter Witz!“– „Nein, ist es nicht. Ich gehe wirklich joggen“, antworte ich mir. Vielleicht bin ich ja wirklich wahnsinnig geworden, immerhin führe ich hier gerade Selbstgespräche.

Ja, ich gehe joggen. Inzwischen werdet ihr es wohl alle verstanden haben, immerhin habe ich es jetzt oft genug wiederholt. Wer mich kennt, wird mich jetzt wirklich für wahnsinnig halten. Ich bin der größte Sportmuffel auf Erden. Schon um den Schulsport habe ich mich mehr oder weniger erfolgreich gedrückt. Aber nein, ich werde nicht gezwungen. Ich habe auch keine Wette verloren. Warum also gehe ich jetzt doch freiwillig unter die Sportler? Die Antwort ist eine Smartphone-App, die seit Wochen die Menschheit in Atem hält. Ihr ahnt es vielleicht schon – es geht um „Pokemon Go“.

DIE TYPISCHEN ANFÄNGERFEHLEr

Zuerst bin ich einfach nur viel spazieren gegangen – mit der Zeit auch immer weitere Strecken. Meine längste Pokemon-Jagd dauerte sage und schreibe 3 Stunden, danach war ich einfach nur noch fertig. Und am nächsten Tag hatte ich den schlimmsten Muskelkater meines Lebens.

Den hatte ich aber auch nach meiner allerersten Jogging-Konfrontation. Ich bin morgens um halb sechs aufgewacht und habe beschlossen, laufen zu gehen. Fragt mich nicht, woher dieser Gedanke kam. Wahrscheinlich habe ich einfach nur zu viel Freizeit und zu wenig Beschäftigung. Und weil ich das Ganze komplett ungeplant in den frühen Morgenstunden beschlossen habe – normalerweise setzt meine Denkfähigkeit erst nach der ersten Tasse Kaffee ein –, habe ich doch ein paar Dinge gemacht, die ich besser nicht gemacht hätte:

  • mit einem Blutzucker von über 250 mg/dl zu starten (ich war noch nie so schnell aus der Puste)
  • vorher frühstücken (mir wäre fast das Essen wieder hochgekommen)
  • keine Kontaktlinsen tragen (wegen Baum und so)
  • sich nicht aufwärmen
  • sofort wie von der Tarantel gestochen loszurennen (Seitenstechen wegen fehlender Kondition)

Aber wer keine Fehler macht, lernt ja nicht dazu. Und immerhin hatte ich die richtigen Schuhe an und genügend Traubenzucker dabei.

reeboks

WIE ALLES BEGANN

Im Juni 2000 erschien in Europa „Pokemon Gelb“ (auch „Pokemon Special Pikachu Edition“ genannt), ein Pokemon-Spiel für den Gameboy. Damals war ich 8. Mein Cousin ist 2,5 Jahre älter als ich und hat mich mit der Pokemon-Manie angesteckt. Er besaß neben diversen anderen auch eine Pokemon-Edition. Seitdem bin ich infiziert – auch wenn ich schon längst dem Alter der eigentlichen Zielgruppe entwachsen bin.

In den folgenden Jahren habe ich mir sämtliche Spiele am Erscheinungstag gekauft und innerhalb von wenigen Tagen durchgezockt, es hatte fast schon Suchtcharakter. Danach lag der Gameboy allerdings wieder in der Ecke – zumindest bis das nächste Spiel auf den Markt kam.

Nun begegnen mir auf der Straße Jugendliche in kleinen Grüppchen, am Bahnhof höre ich den Jungen neben mir sagen: „Geil! Ich habe gerade ein Schiggy gefangen“, und bin (fast) ein bisschen neidisch. Ein Schiggy (ein niedliches blaues Pokemon, das aussieht wie eine Schildkröte) hätte ich auch gerne. Leider bin ich bisher noch keinem begegnet. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Morgen gehe ich schließlich wieder eine Runde joggen. Vielleicht läuft mir ja noch Eines vor die Füße. Oder ein Pikachu, das hätte ich nämlich auch gerne.

Besser als Fitness-Apps

Pokemon Go hat das geschafft, was Fitness-Apps bei mir seit Jahren (erfolglos) versuchen: Ich bin regelmäßig für viele Stunden unterwegs. Meinem Insulinverbrauch kommt die Bewegung natürlich zugute. Ich konnte meine Basalrate schon um einiges reduzieren, auch wenn sie deswegen leider immer noch nicht so richtig passt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Nach mehreren Wochen ist meine Pokemon-Go-Motivation inzwischen gesunken. Meine Motivation zum Joggen ist geblieben. Inzwischen habe ich es mir angewöhnt, mehrmals die Woche morgens bei Sonnenaufgang eine (oder auch zwei) Runden zu drehen. Dabei kommen mir die inzwischen wieder kürzeren Tage entgegen: Wenn es dunkel ist, sieht wenigstens niemand, wie ich mich zum Deppen mache.


Diesen Beitrag gibt es auch hier auf der Blood Sugar Lounge zu lesen. 🙂