4 Jahre mit mehr

Cake

Da hätte ich es doch fast vergessen: Mein Blog feiert heute schon sein Vierjähriges! 😀

Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! In diesen 4 Jahren ist so unglaublich viel passiert: Ich habe endlich meine Pumpe bekommen. Ich habe mein Studium begonnen und meinen Freund kennen gelernt. Ich war beim allerersten T1Day in Berlin. Ich habe angefangen, für die Blood Sugar Lounge zu schreiben. Ich habe meine Epilepsie-Diagnose bekommen. Und ich habe in diesen 4 Jahren so viele unglaublich tolle Leute getroffen und viele neue Freundschaften geschlossen. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar.

Auf die nächsten 4 Jahre, die hoffentlich genauso toll werden! 😉

Und dann hat der Blitz eingeschlagen

Gewitter

Gerade saß ich noch fluchend vorm PC, in der nächsten Sekunde lag ich schon auf dem Teppichboden. Der Notarzt stand neben mir und wollte komische Sachen von mir wissen. Zum Beispiel, welches Jahr und welchen Wochentag wir hatten. Ich fühlte mich, als wäre ich von einer Horde Büffel niedergetrampelt worden – aber in Wirklichkeit hatte ich einen epileptischen Anfall.

Es gibt viele verschiedene Anfälle und Arten der Epilepsie – auch Mischformen sind nicht selten. Sie können Menschen in jedem Alter betreffen, sogar Tiere können Epilepsie bekommen.

Bisher hatte ich nur diesen einen epileptischen Anfall. In der Medizinsprache wird das bezeichnet als „Grand mal“, ein deutlich sichtbarer Anfall. Das ist die französische Übersetzung für „großes Übel“. Es gibt aber auch einen nicht ganz so offensichtlichen „Petit mal“, das ist das „kleine Übel“. Ironisch, oder? Epilepsie ist doch immer übel, warum muss dann auch noch in groß oder klein differenziert werden?

Die Krankheit Diabetes geht oft Hand in Hand mit anderen Stoffwechselerkrankungen – kein Wunder, schließlich ist der Dia eine Autoimmunerkrankung. Außerdem schwächt er das eigene Immunsystem und macht es anfälliger für andere Erkrankungen. Zum Beispiel für Erkältungen.

Aber Diabetes – genauer gesagt eine Unterzuckerung – kann auch einen epileptischen Anfall auslösen: Die Wahrscheinlichkeit für Krampfanfälle steigt während Hypoglykämien, dazu muss der Diabetiker noch nicht mal Epileptiker sein. Aber wenn ein Diabetiker schon epileptische Tendenzen hat, können diese Unterzuckerungen eben auch einen epileptischen Anfall auslösen.

Mein Neurologe war begeistert – ich nicht

Bei mir steht diese Vermutung gerade im Raum. Nachdem ich nun schon seit fast 20 Jahren Typ-1-Diabetes habe, wurde Ende 2014 bei mir auch noch Epilepsie festgestellt, nachdem ich einen „Grand-Mal“-Anfall hatte. Ich wurde von jetzt auf gleich ohnmächtig und habe mehrere Minuten lang gekrampft. Aufgewacht bin ich erst wieder, als Notarzt und Krankenwagen da waren.

Allerdings hatte ich wohl noch gar keine ausgewachsene Unterzuckerung. Bei einer Messung kurz zuvor hatte ich noch 95 mg/dl im Blut. Und wäre der Zuckerspiegel noch weiter abgefallen, hätte ich das sicher bemerkt: Ich habe keine Hypowahrnehmungsstörung und wache sogar nachts auf, sobald mein Blutzucker zu tief sinkt. Deswegen kann ich momentan nur vermuten, dass eine Hypo im Anmarsch war und das schon ausgereicht hat, um bei mir einen Anfall zu triggern – sicher diagnostiziert wurde das aber noch nicht.

Leider hat das EEG, das nach meinem Anfall im Krankenhaus gemacht wurde, aber zweifelsfrei bewiesen, dass ich nun auch Epileptikerin bin. Laut meinem Neurologen war bei der Aufzeichnung der Gehirnwellen „ein Ausschlag wie aus dem Lehrbuch“ zu sehen. Seine Begeisterung kann ich allerdings nicht teilen.

Mein Freund hat übrigens so seine ganz eigene Theorie, wieso ich jetzt auch Epileptikerin bin: Meine besten Ideen beruhen auf Geistesblitzen. Und da musste es natürlich auch irgendwann mal im Gehirn blitzen.


Den Beitrag gibt es auch hier auf der Blood Sugar Lounge zu lesen. 🙂

#ContentCamp in Karlsruhe

Am Wochenende war ich in Karlsruhe – beim #BSLounge Content Camp. Mit dabei waren auch Sarah – die mich netterweise im Auto mitgenommen hat, mit der Bahn wäre ich ja nicht hingekommen -, KathySheelaSteffiLea, OlliHeikeSascha und Manu. (Ich hoffe, ich habe jetzt niemanden vergessen!).

Erwähnte ich schon, dass ich solche Treffen liebe? Denn da fällt mir besonders auf, dass ich nicht allein bin. Auf einmal sind so viele andere Menschen mit Diabetes um mich herum, die alle dieselben Probleme haben wie ich und auch so oft Blutzucker messen und Insulin spritzen müssen – egal ob mit Pen oder Pumpe. Dann fühle ich mich endlich einer Gruppe zugehörig: Bei solchen Treffen muss ich auch niemandem erklären, wieso ich bei einer Präsentation mit einer Cola-Flasche in der Hand vorne stehe und wirres Zeug erzähle. Ich habe gerade Unterzucker – da erzählt man eben schon mal unzusammenhängende Sachen.

Gruppenbild im Spiegel

Danke an Lea für dieses tolle Gruppenbild!

An dieser Stelle vielen, vielen Dank an den Kirchheim Verlag für dieses tolle und informative Wochenende!

Die beiden großen Ds: Wenn Diabetes deprimiert

Diabetes und Depressionen – einzeln sind sie schon schwer genug, beides zusammen kann schnell überfordern.

Es ist fällt eben manchmal schwer, sich jeden Tag ausreichend um seine Erkrankung zu kümmern. Für den Durchschnitts-Diabetiker mit Typ 1 bedeutet „sich kümmern“ nämlich mehrfach pro Tag zu messen und zu spritzen. Denn der Diabetes ist ein ständiger Begleiter. 24 Stunden am Tag. 7 Tage die Woche. 52 Wochen im Jahr. Das sind 8 760 Stunden. Oder 525 600 Minuten. Oder 31 536 000 Sekunden. Multipliziert mit den Jahren bis zum Tod.

Und eigentlich ist es nicht drin, sich mal ein paar Tage eine Auszeit zu gönnen, eine Art Urlaub vom Diabetes. Nicht groß ans Messen und Spritzen zu denken. Einfach mal zu essen, ohne sich groß Gedanken darum zu machen, wie viele Kohlenhydrate dies oder das hat. Das kann wirklich hart sein.

Und sagen wir es doch einfach, wie es ist: Diese Aussicht auf das Leben ist beschissen. Und dass das einen runterziehen kann, ist hoffentlich (!) auch für Nicht-Diabetiker verständlich.
Wobei „runterziehen“ noch sehr vorsichtig ausgedrückt ist. Es kann deprimieren. Sogar ziemlich schwer.

Reden kann helfen

Mir hilft es sehr, über meine Probleme zu sprechen. Egal mit wem. Neben Familie und Freunden sind auch andere Diabetiker oft sehr gute Ansprechpartner, weil sie mich verstehen. Denn selbst nahestehende Personen können einfach nicht fühlen, was es heißt, mit Diabetes zu leben.

Auf Facebook gibt es einige Diabetiker-Gruppen, in vielen davon bin ich Mitglied. Um immer informiert zu bleiben, was das Thema Diabetes angeht, tausche ich mich regelmäßig mit anderen „Betroffenen“ darüber aus. Das zeigt mir auch, dass nicht nur ich manchmal mit meinem Diabetes hadere. In vielen Regionen gibt es übrigens auch Stammtische für Diabetiker, in denen man sich alle paar Wochen trifft und redet.

Sogar für Angehörige gibt es inzwischen eine Facebook-Gruppe. Sie heißt „Diabetes Typ F“. Das „F“ steht für Freunde und Familie.
Gründerin Manuela – die ebenfalls für die Blood Sugar Lounge schreibt – wollte mehr Austausch mit anderen Angehörigen: „In den letzten zwei Jahren habe ich sehr viele Menschen mit Typ 1 Diabetes kennengelernt, jedoch kaum deren Angehörige. Das möchte ich hiermit gerne ändern. Nicht jeder kann und will sich mit seinem erkrankten Partner über die Sorgen und Nöte unterhalten, die der Diabetes so mitbringt. An dieser Stelle soll diese Gruppe ansetzen.“

Hilfe suchen ist wichtig

Die genauen Zusammenhänge zwischen Diabetes und Depressionen sind zwar noch nicht genau geklärt, aber Studien haben bereits ergeben, dass Diabetiker im Druchschnitt doppelt so häufig an Depressionen erkranken wie Nicht-Diabetiker. Die beiden großen Ds hängen also enger zusammen, als viele denken. Manchmal wissen das selbst die betroffenen Diabetiker nicht.

Typische Anzeichen für Depressionen sind unter anderem tiefe Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebs- und Teilnahmslosigkeit, verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit, mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Schlafstörungen, Ängste sowie Mut- und Hoffnungslosigkeit. Wenn diese Gefühle über einen längeren Zeitraum anhalten, sollte eine ärztliche Meinung eingeholt werden.

Und für alle, die sich gerade angesprochen fühlen sollten: Sich selbst einzugestehen, dass man Hilfe braucht, ist nichts, wofür man sich schämen muss. Denn Probleme zu verschweigen ändert nichts.


Diesen Beitrag gibt es auch hier auf der Blood Sugar Lounge zu lesen. 🙂