Rumdrehen und Durchdrehen

In diesem Post habe ich schon davon erzählt, dass ich in einem Studienseminar im letzten Jahr verschiedene Beiträge über Videospiele geschrieben und gedreht habe. Sie wurden eigentlich auf der Website des WASD-Magazins veröffentlicht, allerdings sind alle Beiträge nach einem Relaunch der Seite futsch. Weil ich das sehr schade finde – ich habe einiges an Mühe in die Beiträge gesteckt, auch wenn das der Dozent wohl anders sah -, habe ich beschlossen, sie auf meinem eigenen Blog hier nochmal zu zeigen.


„Und jetzt? Wie komme ich ans Ziel?“ ist der erste Gedanke, den ich habe, als ich in „Monument Valley“ lande. In diesem Mobile Game (erschienen für Android und iOS) muss ich eine kleine Prinzessin namens Ida durch ein verwirrendes Labyrinth von Gängen und Gebäuden leiten. Das ist leichter gesagt als getan – denn diese Welt hält sich nicht an Naturgesetze.

Zuerst ist mir das Spielprinzip unklar und ich weiß nicht so recht, was ich machen soll. Ida muss durch das Gebäude – irgendwie jedenfalls. Per druck auf den Touchscreen steuere ich sie, soviel ist schon mal klar. Aber wie gelange ich über diesen blöden Abgrund? Nach ein paar Minuten irritierten Starrens auf das Handy-Display fällt der Groschen: Mit einem einfachen Drehen an einem L-förmigen Übergang gelingt es mir, Ida den Weg zum Ziel zu weisen und das erste Level abzuschließen. Eigentlich einfach, doch in „Monument Valley“ sieht man oft den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich habe das Gefühl, als verknote sich mein Gehirn bei dem Versuch, die Geometrie der Spiels zu begreifen. Ida läuft zum Beispiel an senkrechten Wänden nach oben und steht plötzlich auf der Seite eines Gebäudes. Und ich muss Schalter betätigen oder Gebäudeteile drehen, um ihr durch optische Täuschungen neue Wege zum Ziel zu ermöglichen.

Monument Valley Screenshot 1

Doch es wird leichter – hat man sich erst einmal darauf eingelassen und zuvor vielleicht noch das eine oder andere Bild von M.C. Escher betrachtet. Nachdem ich das erste Level hinter mir und das Prinzip des Spiels verstanden habe, komme ich mehr oder weniger spielend durch alle weiteren neun Level. Zum Ende hin wird es natürlich kniffliger, aber mit etwas Geduld und Herumprobieren gelingt es mir schließlich doch und Ida, nun ja, das will ich hier nicht verraten. Sonst wäre doch der ganze Spielspaß im Eimer.

Der englische Spieleentwickler Ustwo beschreibt sein neues Spiel als „An illusory adventure of impossible architecture and forgiveness“, also als ein illusorisches Abenteuer unmöglicher Architektur und Vergebung. Er verspricht nicht zu viel. Ein illusorisches Abenteuer ist „Monument Valley“ definitiv, denn realitätsgetreu ist hier absolut gar nichts. Ich bin fasziniert von der minimalistischen Musik, der Hingabe zum Detail und der tollen Grafik – so etwas hätte ich von einem Handyspiel eigentlich nicht erwartet. Immer wieder nerve ich meine Umgebung damit, dass sie sich diese und jene optische Täuschung unbedingt ansehen müssten und ich verbringe Minuten damit, immer wieder einen bestimmten Hebel zu betätigen, um damit ein Glockenklingeln auszulösen – bis mich mein Mitbewohner genervt bittet, doch endlich den Ton leiser zu drehen.

Monument Valley Screenshot 2

Das Spiel gibt es für Android-Geräte, iOS-Betriebssysteme und den Kindle Fire. Den Preis – 3,59 Euro kostet es im Google-Play-Store – fand ich auf den ersten Blick ziemlich happig für ein Handy-Spiel, das nach insgesamt nicht einmal zwei Stunden durchgespielt ist. Taucht man jedoch erst einmal in „Monument Valley“ ab, findet man bald heraus, dass die Investition eine Kleine war – denn so liebevoll gestaltete Level, Rätsel, tollen Soundtrack und Ästhetik gab es selten auf einem Handydisplay zu sehen.

Melissa (22) hat jetzt einen Drehwurm, ist aber trotzdem sehr angetan von „Monument Valley“.

Ein Gedanke zu „Rumdrehen und Durchdrehen

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