Das Drama mit der Folgepumpe

Meine Pumpe und ich sind seit über vier Jahren ein Team, und es waren die schönsten meiner inzwischen zwanzigjährigen Diabeteskarriere. 2012 habe ich mich dazu entschlossen, von der Pen- auf die Pumpentherapie umzusteigen. Zuvor hatte ich einfach nie in Erwägung gezogen, ständig eine Pumpe mit mir herumzutragen, statt mich mehrfach täglich mit einer Kanüle zu stechen. Natürlich wusste ich, dass es Insulinpumpen gibt, aber ich wollte einfach keine. Ich wollte nichts an mir „dran haben“, dass ich dann auch die ganze Zeit mit mir herumschleppen muss – und das sogar nachts noch an mir hängt. Wie gut, dass ich nach mehreren problematischen Jahren (auch bekannt als Pubertät) dann doch noch meine Meinung geändert habe. Denn als ich auf Kur war, bekam ich die Möglichkeit, eine Pumpe Probe zu tragen. Und ich habe festgestellt, dass ständig verkabelt zu sein doch gar nicht so schlimm ist.

Über die Jahre musste meine MiniMed Veo schon so einiges mitmachen: unfreiwillige Tauchgänge in der Toilette, regelmäßiges Hängenbleiben an Türklinken und Schränken sowie meine epileptischen Anfälle. Ich kippe dort um, wo ich gerade sitze oder stehe – und meistens direkt auf meine Pumpe.

Daher wäre es ja sinnvoll, nach Ablauf der Garantie eine Folgepumpe zu beantragen. Sollte demnächst mal wieder ein Austausch nötig sein (zum Beispiel wegen einer erneuten Kollision mit dem Fliesenboden meiner Wohnung), bekäme ich eigentlich keine Ersatzpumpe mehr. Wahrscheinlich würde Medtronic mir aus Kulanz eine Übergangspumpe leihen, aber so ganz darauf verlassen will ich mich dann eben doch nicht.

Es gibt nur ein Problem

Mein Diabetologe bzw. der Diabetesberater weigert sich, den Antrag zu stellen, da mein HbA1c zu schlecht sei. Von einem Antrag für ein CGM-System mal ganz zu schweigen, denn – O-Ton Berater – das würde mir meine Krankenkasse eh nicht genehmigen, da mein A1c absolut entgleist sei. Damit wir uns richtig verstehen: Es lag bei 8-Komma-irgendwas. Unter „entgleist“ verstehe ich etwas völlig anderes. Aber anstatt mir gut zuzureden – ich wusste nämlich sehr genau, dass mein Langzeitwert dringend besser werden musste, aber egal, was ich tat, es funktionierte nicht – wurde ich von ihm behandelt wie ein unmündiges Schulkind, das möglichst streng zurechtgewiesen werden musste.

Ich fühlte mich nach jedem einzelnen Termin vorgeführt, bloßgestellt und zutiefst demotiviert. Ich war zwar nur zweimal in dieser Diabetespraxis, aber bereits der zweite Termin machte mich so fertig, dass ich hinterher in Tränen ausbrach, sobald die Tür hinter mir ins Schloss fiel. Mir wurden baldige Folgeschäden wie Blindheit und Fußamputation vorhergesagt. Ich fühlte mich wie der schlechteste Diabetiker aller Zeiten, als würde ich mich absichtlich zu Grunde richten und aus Spaß mit meiner Gesundheit spielen. Natürlich ist mir die Wahrscheinlichkeit von Folgeschäden bewusst, besonders nach 20 Jahren. Aber auf diese harsche Art angefahren zu werden, war mir zu viel. Sollten Diabetologe und Diabetesberater nicht motivieren, statt mit Drohungen zu verängstigen?

Diabetologe dringend gesucht

Diese Horrorgeschichte erzählte ich einige Zeit später einem Freund, der ebenfalls Diabetiker ist. Er empfahl mir „seine“ Diabetespraxis, bei der ich einige Tage später auch anrief. Ich bekam sofort einen Termin und zwei Tage später stand ich bereits in der Praxis. Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich bin dort erst seit ein paar Monaten in Behandlung, aber ich weiß jetzt schon, dass es die beste Praxis ist, bei der ich je in Behandlung war. Die Ärzte sind alle supernett und verständnisvoll und „meine“ Dia-Fee ein echtes Schätzchen.

Ich dachte nie, dass es einmal so sein würde, aber inzwischen freue ich mich auf jeden einzelnen Termin in der Praxis. Ich habe wegen meiner momentanen Probleme – Hilfe, die Basalrate will nicht so wie ich! – mehr Termine als üblich und war deshalb in drei Monaten schon mehrfach dort. Aber auch wenn mein HbA1c inzwischen leider wieder über 8 liegt, kann ich mich darauf verlassen, dass ich mir nie Vorwürfe anhören muss.

Jetzt wird es ernst

Bei meinem letzten Termin wurde der Antrag für die Folgepumpe gestellt. Da ich bei Medtronic bleiben will, soll es die (nicht mehr ganz so neue) MiniMed 640G werden. Diese lässt sich ja auch sehr schön mit dem CGM-System koppeln, welches im Januar beantragt werden soll.

Mal sehen, ob der Antrag auf die Folgepumpe und das CGM von meiner Krankenkasse genauso reibungslos genehmigt wird wie meine allererste Pumpe. Aber selbst wenn nicht, weiß ich, dass ich eine tolle Praxis hinter mir stehen habe, die mich auch bei allen folgenden Widersprüchen und Neubeantragungen unterstützen wird. Und nicht zuletzt auch bei meinem Zusammenleben mit der Diabetessau. Denn wie wichtig ein solcher Rückhalt ist, haben mir die Erlebnisse mit der letzten Praxis gezeigt.


Diesen Artikel gibt es auch hier auf der Blood Sugar Lounge zu lesen. 🙂

Melissa goes NYC

Ja, ihr habt richtig gelesen! Ich fliege das erste mal seit über 2 Jahren wieder in den Urlaub – in die USA! Und ich freue mich wie ein Schnitzel! 😀 Ich will schon in die Staaten, seit ich denken kann. Aber bisher hat es nie geklappt, obwohl es schon zweimal fast so weit war.

Das erste Mal wäre ich mit 15 für einen mehrwöchigen Sprachurlaub in den Sommerferien bei einer Gastfamilie in der Nähe von Los Angeles gewesen. Nur leider kam mir dann der Dia mit seinen Kapriolen in die Quere, sodass mein Diabetologe beschlossen hat, sein Okay zurückzuziehen. 🙁 Und ohne ärztliches Attest kein Sprachurlaub. 🙁

Das zweite Mal wäre ich sogar für 9 Monate für eine Studienreise geflogen – wieder nach L.A. Diesmal kam mir ein Jobangebot dazwischen. Dieser Job war der Grund, weshalb ich überhaupt erst nach München gezogen bin. Schweren Herzens habe ich damals meine Reise gechancelt, weil mir der Verleger damals ins Gewissen geredet hat. Ich würde die Fortbildung doch nur machen, um später mehr Möglichkeiten zu haben, was die Jobwahl beträfe. Aber wozu in die USA fliegen, wenn ich doch gleich einen supertollen Job haben könne? Damit hatte er mich (dummerweise) am Haken. Ich habe auf meinen Kopf gehört, anstatt auf mein Bauchgefühl. Und das war eine der dümmsten Entscheidungen meines Lebens, die ich auch sehr bereue. Denn nach 6 Wochen im Verlag entschied mein Chef plötzlich, dass er doch keine Berufsanfängerin in dem Job haben wolle und schmiss mich ohne Vorwarnung raus. 🙁

Dieses Mal aber wirklich!

Da ich mir ohne Festanstellung jederzeit Urlaub nehmen kann, fliege ich nun spontan für zweieinhalb Wochen. 😉 Am 28.12. geht es los, ich bin deshalb schon so aufgeregt! 😀 Mein allererster Urlaub ganz allein – und auch noch auf einem anderen Kontinent! Am liebsten würde ich gerade die ganze Welt umarmen, so freudig-nervös-aufgeregt bin ich gerade. 😉

Meine (neuen) Koffer sind schon gepackt noch nicht gepackt, aber zumindest stehen sie schon mal in meinem Wohnzimmer. 😀

Ziemlich mulmig ist mir aber zumute, sobald ich an Hin- und Rückflug denke. Mal davon abgesehen, dass ich leichte Flugangst habe, bin ich nicht allzu glücklich bei der Aussicht, 7½ bzw. 9½ Stunden auf einem Economy-Sitz zu verbringen. Aber was muss, das muss. 😉

Wer von euch war denn schon in New York? Gibt es Dinge, die ich dort unbedingt machen muss? Und habt ihr Tipps für mich – speziell was die Bezahlung angeht? Ich habe zwar eine Kreditkarte, bin aber nicht gerade glücklich über die Gebühren für Auslandseinsätze. 🙁

Danke für 20 Jahre

Eigentlich hätte ich gerade genug andere Sachen zu tun, aber das heutige Datum kann ich nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen, denn: Mein Dia-Monster wird 20! Das ist quasi mein (Vor-)Weihnachtsgeschenk an mich selbst. 😉 20 gemeinsame Jahre – und bisher sogar ganz ohne Folgeerkrankungen! 🙂

Red present

„Wie – eine Krankheit als Geschenk?“, werdet ihr euch jetzt vielleicht fragen. „Meint sie das ernst?“ Ja, das tue ich. 🙂 An sich ist Diabetes ganz sicher kein Geschenk. Ich muss mich täglich in den Finger stechen, kann (fast) nichts essen ohne zu rechnen, muss mich dann auch noch mit einer Nadel stechen … nein, das ist wirklich kein Spaß. Und Urlaub nehmen kann ich mir auch nicht mal eben so. Aber ich habe durch den Dia viel über mich selbst und meinen Körper gelernt, zum Beispiel, dass mich nichts so schnell umhaut. Nicht mal ein niedriger Blutzucker. 😉 Oder wenn doch, dass ich immer wieder aufstehe und weitermache.

Und nicht zu vergessen sind alle die tollen anderen Diabetiker, die ich sonst ja nie kennen gelernt hätte. Dafür bin ich dem Dia wirklich dankbar. 🙂

Fröhlichen Welt-Diabetes-Tag!

Ja, ihr habt richtig gelesen! 🙂 Und in diesem Jahr gibt es sogar ein Jubiläum – heute gibt es ihn schon zum 25. Mal. Den WDT gibt es seit 1991 – übrigens auch gleichzeitig mein Geburtsjahr. 😉

Logo Welt-Diabetes-Tag

Und warum ausgerechnet der 14. November? Vor unglaublichen 93 Jahren erhielt der Mediziner Frederick Banting den Nobelpreis für die Entdeckung des Insulins. Ihm zu Ehren fällt das Datum deshalb auf den 14. November, seinem Geburtstag. 🙂 Heute wäre der Gute übrigens 125 geworden. 😉

Launch des Countour Next One

Bei diesem Post handelt es sich um einen sogenannten „Sponsored Post“, für den ich mit einem Unternehmen kooperiert habe. Die Tatsache, dass es sich um Werbung handelt, hat keinen Einfluss auf meine eigene Meinung.


Im Rahmen des EASD 2016 (52nd Annual Meeting of the European Association for the Study of Diabetes) lud die Firma Ascensia Diabetes Care mehrere Blogger (unter anderem auch mich 😉 ) zu eine Presseveranstaltung ein. Auf dieser wurde uns das Blutzuckermesssystem Contour Next One sowie die dazugehörige Contour Diabetes App bereits vor dem offiziellen Launch in Deutschland präsentiert. Regulär auf dem deutschen Markt erhältlich ist das System erst seit dem 20. Oktober 2016.

Blutzuckermessung

© Ascensia Diabetes Care

Das Messgerät

Das Contour Next One hat optisch Ähnlichkeit mit seinen Vorgängern, allerdings besitzt das Gerät keinen USB-Anschluss mehr. Diese wurde aber durch eine Bluetooth-Schnittstelle ersetzt. Neu eingeführt wurde außerdem das Licht am Teststreifeneinschub. Dieses variiert je nach Wert: Grün bedeutet, dass die Werte im Zielbereich liegen, Gelb ist darüber, Rot darunter. Was mich etwas irritiert, denn eigentlich ist Gelb für mich eine Zwischenstufe auf dem Weg von Grün zu Rot (oder andersrum). Die Firma bezeichnet es als „smartLIGHT“, mit dessen Hilfe der Nutzer „sofort einordnen und entsprechend reagieren“ kann. Wie alle Messgeräte der Contour-Next-Reihe verwendet auch dieses die bisherigen Teststreifen. Die zum System gehörende Stechhilfe heißt Microlet Next und funktioniert mit den herkömmlichen Microlet-Lanzetten.

Messgerät Contour Next One

© Ascensia Diabetes Care

Für mich ein ganz, ganz fettes Minus: Das Next One kann nicht wiederaufgeladen werden! Das war einer der Punkte, die den Vorgänger für mich sehr attraktiv gemacht haben – endlich keine Batterien mehr! Schonender für meinen Geldbeutel und vor allem für die Umwelt! Nennt mich Öko-Fuzzi, wenn ihr wollt, aber ich finde es wirklich dämlich, dass Ascensia schon wieder ein neues Messgerät auf den Markt bringt – aber eine der (für mich) besten Funktionen fehlt! 🙁 Stattdessen wird das neue Contour (schon wieder) über zwei Knopfbatterien mit Strom versorgt, die etwa 1.000 Messungen lang halten (sollen).

Vor- und Nachteile:

+ optischer Hinweis auf die Werte durch das farbige Licht
+ schickes Design
+ bluetooth-fähig
+ keine neuen Messstreifen nötig

– nicht wiederaufladbar 🙁
– Werte werden nicht an Pumpe gesendet 🙁
– keine USB-Schnittstelle mehr
– benötigt (Knopf-)Batterien

Contour Next Plus und Contour App

© Ascensia Diabetes Care

Das Contour Next One kann direkt am PC ausgelesen werden. Dafür wird das Programm Glucofacts Deluxe und ein Kabel mit den Anschlüssen USB-A an Micro-USB-B benötigt, die beide nicht im Lieferumfang enthalten sind. Ausprobiert habe ich das noch nicht, deswegen kann ich auch leider nichts dazu sagen außer: Wäre der USB-Anschluss noch am Gerät, gäbe es dieses Problem gar nicht erst. 😉

 

Die App

Für die Entwicklung der App war wohl das Stichwort „mHealth“ausschlaggebend. mHealth ist eine Abkürzung für Mobile Health (= „mobile Gesundheit“). Die Weltgesundheitsorganisation zählt dazu tragbare Technologien wie zum Beispiel Apps für Smartphones und Tablets, die die Gesundheitsfürsorge unterstützen. Ein Bericht des IMS Institue for Healthcare Informatics aus dem Jahr 2015 gibt an, dass den Verbrauchern aktuell mehr als 165.000 mHealth-Apps zur Verfügung stehen. Eine davon ist nun auch die Countour App

Display Contour App

© Ascensia Diabetes Care

Sie funktioniert zusammen mit dem Blutzuckermessgerät, die via Bluetooth miteinander verbunden werden. Die gemessenen Werte werden auf das Smartphone (oder Tablet) gesendet und können auch um weitere Informationen wie Aktivitäten, Medikamente und Mahlzeiten (auch in Form von Fotos; siehe links) ergänzt werden. Eine interessante Erneuerung ist die Möglichkeit, sich bei hohen oder niedrigen Messwerten Warnungen anzeigen zu lassen. Es gibt außerdem die Möglichkeit, direkt eine gespeicherte Notrufnummer zu wählen, um Hilfe zu holen. Um Muster im Verlauf der Blutzuckerwerte zu erkennen, werden sie im Startbildschirm in Form von Trends und Durchschnittswerten dargestellt (auch hier: siehe Foto). Alle ermittelten Daten können zudem synchronisiert werden, sodass die Blutzuckerwerte auf verschiedenen Smartphones und Tablets gespeichert werden können. Werte können auch nachträglich ergänzt werden, wenn man Messgeräte von anderen Firmen verwendet. Die App kann also auch als Stand-Alone verwenden. Ob das sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. 😉

Erhältlich ist sie im jeweiligen Store sowohl für iOS (ab 8.0) als auch für Android (ab 5.0). Sie erinnert mich übrigens an mySugr, die vom Prinzip her sehr ähnlich, jedoch herstellerunabhängig ist.

Mein Fazit

Nachdem ich Messgerät und App nun mehrere Tage ausgiebig getestet habe, ist hier meine Meinung: Sehr gut gefällt mir die Möglichkeit, mich an BZ-Messungen erinnern zu lassen – weniger gut, dass ich nicht eingeben kann, was ich gespritzt habe. Zwar kann ich angeben, mein Insulin als Medikament genommen zu haben – jedoch ist das nur in halben Schritten möglich. Da Insulinpumpen aber wesentlich genauer dosieren können, ist das für die Pumpenträger unter uns natürlich Quatsch mit Soße. Und ein großes Manko ist für mich die fehlende Verbindung zur Pumpe, denn ich habe keine Lust, meinen Wert jedes Mal von Hand eingeben zu müssen, um den pumpeneigenen  BolusExpert verwenden zu können, der mir meine Insulindosis ausrechnet.

Insgesamt muss ich leider sagen, dass ich von dem neuen System doch recht enttäuscht bin. Als „Innovation“ würde ich weder Messgerät noch App bezeichnen, da beides ist noch sehr ausbaufähig ist. Zum Beispiel, indem das System auch mit der Pumpe kommuniziert. Solange es das nicht tut, ist das Ganze eine nette Spielerei – mehr aber auch nicht.

Ich hoffe, Ascensia nimmt sich die Kritik, die auch schon bei der Vorab-Präsentation laut wurde, zu Herzen und macht es beim nächsten Gerät besser.